Die Entstehung der heutigen Flusslandschaften im Westmünsterland

Ein dem heutigen Gewässernetz von Dinkel, Vechte und Berkel ähnliches Abflusssystem bildete sich bereits vor rund 2 Millionen Jahren. Noch weiter in die Vergangenheit Zurück (bis vor 4 Millionen Jahre), reichte die Nordseeküste bis westlich von Gronau. Die "Urlippe" entwässerte zu dieser Zeit das heutige Münsterland nach Nordwesten. Das Klima verschlechterte sich aber zunehmend und das Eiszeitalter begann (vor 2,4 Mio. Jahren). Verschiedene Gletschervorstöße reichen von Skandinavien bis ins Münsterland. Die Flusslandschaft veränderte sich.

Vor 930.000 Jahren floss die Weser noch nördlich von Gronau an den vorrückenden thumb_entstehungGletschern vorbei. Ihr Verlauf wurde mit dem Gletschervorschub (30cm/Tag) immer weiter nach Süden verlagert. Während der Saaleeiszeit vor 220.000 Jahren lag das ganze westliche Münsterland unter einem riesigen Gletscher.

Während des Abschmelzens der Gletscher mussten die Rinnen gewaltige Schmelzwassermengen abführen. Sie vertieften und verbreiterten sich sehr stark. Zu diesem Abflusssystem zählten die Urrinnen von Dinkel, Vechte und Berkel. Diese Urrinnen entstanden unter Eisbedeckung.

Der Hauptabfluss der Schmelzwässer erfolgte im Dinkel und Vechte-Gebiet, wo das Schmelzwasser anfänglich durch Eiskanäle im Gletscher abgeführt wurde. Grobkörnige Sande der Gletscher wurden an den Fließrinnen der Dinkel abgelagert. Damals dürfte die Dinkel der bedeutendere Fluss gewesen sein, der das Vechte-Einzugsgebiet mit entwässerte.

Nach dem letzten großen Eisvorschub vor 110.000 Jahren bekam das heutige Flussnetz seine Konturen.
Mit der Klimaverbesserung vor etwa 10.000 Jahren vereinigten sich die mäandrierten Flüsse von Dinkel und Vechte, so wie wir sie heute kennen. Vor 300 Jahren wurden Vechte und Berkel sogar schiffbar gemacht, um Sandstein aus den Baumbergen zu transportieren. Die Dinkel wurde nie schiffbar gemacht.

In jüngster Vergangenheit wurden zahlreiche Begradigungsmaßnahmen an den Flüssen durchgeführt, die den Wasserabfluss regeln sollten. Nur wenige Flusskilometer der Dinkel blieben davon verschont. Heute ist man wieder bestrebt die natürliche Fließdynamik eines Gewässers herzustellen.

Bildquelle: Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen, Geologische Karte C 3906 Gronau (Westf.), Krefeld 1993