Unbeschwertes Bade(see)vergnügen?Was gibt es schöneres, als bei Sonne einen Tag an einem Badesee zu verbringen? Überall in Deutschland gibt es Badeseen, die zum Sonnen und Baden einladen. Doch welcher ist der beste? Oft kennt man aber nicht mal alle Seen in der näheren Umgebung. Ist man dann noch im Urlaub unterwegs und kennt nicht die Tipps der Einheimischen, ist es oft schwer, einen schönen Badesee zu finden. Die Seite www.mein-badesee.de soll Ihnen dabei helfen, die schönsten Badeseen in Ihrer Nähe oder der Nähe Ihres Urlaubsorts zu finden.“(admexo GmbH)

Was sich nach einer echten Suchhilfe für badefreudige Menschen anhört, die im Sommer eine Abkühlung suchen, entpuppt sich als teils lebensgefährlicher Wegweiser ins kühle Nass. Scheinbar wahllos werden auf der Webseite alle möglichen Seen deutschlandweit als Badegewässer ausgewiesen. Ob vom kleinen Regenrückhaltebecken über Hafenanlagen bis hin zu Kiesgruben mit aktiver Abgrabung, jedes Gewässer scheint hierzulande ein wunderschönes und sorgenfreies Badegewässer zu sein.

Per E-Mail können „Insider“ ein Gewässer an den Betreiber der Webseite melden, das dann als Badesee ausgewiesen wird. Die so gemeldeten Seen werden anschließend nach Bundesländern und Städten geordnet und in einer Karte visuell dargestellt. Für den Nutzer der Webseite sind dann die ausgewiesenen Badeseen in seiner Umgebung oder an seinem Urlaubsort einfach und bequem abrufbar.

Die Webseite mit ihrem einfachen und seriösen Erscheinungsbild suggeriert den Nutzern ein unbeschwertes Badevergnügen in teils kaum bekannten Gewässern. Dass die vermeintlichen Insidertipps aber nicht nur rechtliche Konsequenzen für die Badenden haben können, sondern die Badeseebesucher teilweise in Lebensgefahr bringen, wird nicht erwähnt. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Betreiber der Webseite die Angaben zu den Badeseen geprüft haben. „Die Inhalte unserer Seiten wurden mit größter Sorgfalt erstellt“, ist dem Impressum zu entnehmen.

Baden im Strönfeldsee kann lebensgefährlich sein!Nach eigenen Recherchen in diesem Onlineportal mussten wir feststellen, dass dort Seen als Badeseen ausgewiesen werden, die z.B. noch aktiv ausgesandet werden. Ein industriell genutzter See wie z.B. der Strönfeldsee im Kreis Borken (NRW), ist dort als Badegewässer ausgewiesen, den man unbekümmert im Urlaub zum Baden aufsuchen kann.

Ein Albtraum ist es nicht für den Besucher, denn der findet einen üppigen Uferbewuchs und Sandstrände vor, die zum Baden einladen, aber für die derzeitigen Pächter des Gewässers, die Anglergemeinschaft Strönfeldsee. Dieses Gremium bewirtschaftet seit über 30 Jahren den Strönfeldsee mit dem Ziel, dieses Gewässer als natürliches Gewässer zum Schutz für Tiere und Pflanzen zu erhalten. „Als Badegewässer ist der See aber keinesfalls geeignet“, wie das Gremium Strönfeldsee auf Anfrage mitteilt. „Sogar lebensgefährlich sei es, dort ins Wasser zu gehen“ berichtet das Gremium.

Grund dafür sind Abgrabungstätigkeiten zur Förderung von Quarzsand. Was der zufällig eintreffende „Badegast“ nicht weiß, ist, dass zweimal im Jahr ein gigantischer Schwimmbagger auf dem See installiert wird, der tausende Tonnen Sand abpumpt. Dabei entstehen Untiefen, Abbruchkanten und unterirdische Strömungen, die für badende Personen lebensgefährlich sind. Bereits 2003 wurde das einem 22-jährigen Schwimmer zum Verhängnis. Er konnte nur noch tot aus dem Strönfeldsee geborgen werden.

„Höchst unverständlich“ ist daher für das Gremium Strönfeldsee, dass solch ein Gewässer als Badegewässer ausgewiesen wird. Hinzu kommt, dass viele Gewässer, die als Badegewässer aufgeführt werden, in Privatbesitz sind. Selbst das Betreten ist in solchen Fällen verboten und hat mitunter rechtliche Konsequenzen, denn die Badewilligen machen sich des Hausfriedensbruchs strafbar.

Der Betreiber der Webseite www.mein-badesee.de entzieht sich scheinbar jeglicher Verantwortung „Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen“ heißt es im Impressum der Webseite.

Neben der Ausweisung eines Gewässers als Badesee findet der Besucher der Webseite nur unzureichende bis keine weiteren Informationen über die angegebenen Gewässer. Ein unbeschwertes Badevergnügen kann es nicht geben, wenn man sich die Wasserqualität in Hafenbecken oder manchen Regenrückhaltebecken vorstellt, die als „Badegewässer“ ausgewiesen sind. Vielmehr muss sogar bei einigen Gewässern deutlich vor der Gefahr gesundheitlicher Risiken beim Baden gewarnt werden.

Erfreulich ist, dass die Betreiber des Webangebotes auf unsere Forderungen, einzelne Gewässer unverzüglich herauszunehmen, kurzfristig reagiert haben und die Einträge gelöscht haben. Der Strönfeldsee beispielsweise taucht dort nun nicht mehr als Badegewässer auf. Wer ebenfalls ein Gewässer in den Listen entdeckt, das kein Badegewässer darstellt, kann per Mail ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) unter der Angabe des Namens des Sees und der Stadt/PLZ zur Löschung auffordern.

Wir empfehlen ausdrücklich seriöse, offiziell geprüfte und von der Wasserrettung beaufsichtigte Badeseen aufzusuchen. Das Land NRW beispielsweise prüft jährlich die vom Land ausgewiesenen Seen hinsichtlich ihrer Eignung als Badegewässer. Weitere Informationen unter: www.badegewaesser.nrw.de
©hei