Flussmonster im Strönfeldsee - Jochen Schmidt fängt Wels (Foto: Jochen Schmidt)Noch ist es ruhig am Strönfeldsee, kein Filmteam, keine Reporter und keine Abenteuer suchenden Touristen. Die „Flussmonster“, wie sie ein privater deutscher Fernsehsender nennt, sind im Strönfeldsee noch sehr klein, doch sie sind (er ist) da und sie wachsen (er wächst) schnell. Im ersten Lebensjahr erreichen sie Längen bis 30 cm, im zweiten bis 40 cm und im sechsten Lebensjahr sind sie bereits über ein Meter lang, und sie hören nicht auf zu wachsen. Zeitlebens nehmen sie an Länge und Gewicht zu und erreichen schnell Körperlängen von eineinhalb Metern und mehr, bei einem Gewicht von dann über 50 Kilogramm. Ihr Kopf alleine macht mehr als 20 Prozent der Gesamtlänge des Tieres aus, und durch das riesige Maul hat man schnell den Eindruck, dass man es hier mit einem wahren Monster zu tun hat.

Das „Monster“, das Jochen Schmidt, Vereinsmitglied des ASV Nienborg Dinkel e.V., jetzt im Strönfeldsee gefangen hat, will aber erst noch eins werden, und daher passt die Bezeichnung „Baby-Wels oder Strönfeld-Walli“ derzeit wohl besser. Beeindruckend ist der vermutlich zwei Jahre alte Fisch aber dennoch. Schon jetzt richtet sich der erste Blick auf das große Maul, an dem die typischen langen Bartfäden zu erkennen sind.

In vielen Teilen Mittel- und Osteuropas würde der Fang erst gar nicht für Verwunderung sorgen, geschweige denn eine Zeile auf einer Anglerwebseite füllen, denn der Europäische Wels ist hier beheimatet. Das westliche Münsterland sowie weite Teile Nord-West-Deutschlands zählen aber nicht zum natürlichen Verbreitungsgebiete der Welse, und gerade deshalb widmen wir diesem Wels unsere ganze Aufmerksamkeit.

Im Fernsehen werden die Flussmonster von Touristen mit einem beherzten Griff ins Maul aus Unterwasserhöhlen gezogen und das als touristischer Abenteuerurlaub vermarktet. Am Strönfeldsee findet man sie noch nicht, keine Touristen und keine, die im Wasser mit Riesenwelsen kämpfen, um anschließend wieder ins Büro zu fahren und die Kollegen damit zu beeindrucken. Jochens kleinerer Wels ging ganz unspektakulär an den Haken seiner Angel, es hat kein wilder Kampf im Strönfeldsee stattgefunden, dafür war der Baby-Wels noch zu klein.

Spätestens aber an dieser Stelle darf man sich die Frage stellen: Woher kommt eigentlich der Fisch? Wo sind die Eltern und wie viele und wie lange gibt es schon Welse (Flussmonster) im Strönfeldsee?

Auf natürlichem Weg, also über Verbindungsgräben o.ä. ist ein Zugang zum See nicht möglich. Die Theorie, dass Wasservögel den Welslaich im Federkleid mitgebracht haben, kann auch ausgeschlossen werden. Dass der Zugang in irgendeiner Art und Weise aber über den Menschen erfolgt ist, dürfte dagegen wohl kaum bestritten werden können.

Das Problem ist wohl hausgemacht. Warum hier der Begriff „Problem“ verwendet wird, darauf gehen wir später nochmal ein. „Hausgemacht“ bedeutet erst mal, dass der Wels (oder die Welse) durch den Menschen (vermutlich Angler) unbewusst oder gar bewusst in den Strönfeldsee eingebracht wurden.

Ein unbewusster Eintrag des oder der Tiere könnte mit dem Fischbesatz erfolgt sein, den das Gremium Strönfeldsee, die Gemeinschaft der Angelvereine, die den See als Angelgewässer gepachtet haben, jährlich tätigt. Damit sich die Fischpopulation im größer werdenden Strönfeldsee gut entwickelt, müssen die Angler jährlich verschiedene heimische Fischarten besetzen. Es ist durchaus denkbar, dass in den regulären Fischlieferungen von Rotaugen, Karpfen und so weiter, einzelne Welse mitgeliefert wurden und dadurch in den Strönfeldsee gelangt sind.

Welse sind mittlerweile auch bei vielen Fischzuchtbetrieben käuflich zu erwerben. Allerdings dürfte der Markt hierfür gerade in NRW nicht groß sein, denn seit nunmehr zwei Jahren hat der Wels im Fischereigesetz des Landes kein Schutz- oder Mindestmaß mehr. Ob zu dieser Zeit eine angefallene Überproduktion in der Zucht in den regulären Lieferungen einfach mit untergemischt wurde, bleibt eine Vermutung. Vereinzelt sind Aussagen von Anglern bekannt, die in Fischlieferungen gelegentlich Welse gesehen haben wollen.

Grund für die Aufhebung des Schutzmaßes ist zum einen, dass der Wels wie bereits angesprochen hier nicht heimisch ist. Zum anderen gelten Welse als opportunistische Raubfische, die als Nahrung alles das annehmen, was sie von der Größe noch bewältigen können. Besonders in den Flüssen, in denen das Wanderfischprogramm zum Schutz der Lachse durchgeführt wird, gilt der Wels als Schädling, der die heimischen Fischbestände bedrohen kann.

Das bedeutet auch, dass ein gefangener Wels dem Gewässer entnommen werden muss und dieser sinnvoll verwertet werden muss, jedenfalls wenn man das Fischereigesetz richtig anwendet. Das ist auch für den Wels (oder die Welse) im Strönfeldsee zu empfehlen. Das Gewässer eignet sich keinesfalls als Welsgewässer, und bei der vorhandenen Fischpopulation würde ein starkes Welsvorkommen deutliche Beeinträchtigungen hervorrufen.

Welse (auch Waller genannt) sind nachtaktiv, sie wittern ihre Beute vor allem durch hochsensible Geruchs- und Geschmackssinne. Neben anderen Fischen zählen zu ihrem Beutespektrum vereinzelt auch Amphibien, Insekten, Würmer und andere Wirbellose. Aber auch junge Wasservögel und kleinere Säugetiere wie Nager fallen in ihr Beutespektrum. Die bekannteste Nahrung der Welse sind aber Hunde, vorwiegend junge Dackel. Jedenfalls wurden die Welse 2001 als „Hundefresser“ deutschlandweit bekannt, als in Mönchengladbach ein Wels solch einen Dackel in einem Stadtteich gefressen haben soll.

Zurück zum Strönfeld-Waller oder besser gesagt zum Strönfeld-Walli, dessen Herkunft immer noch unbekannt ist. Zwischen den Angelruten hört man immer wieder neue Vermutungen und Theorien über die Herkunft des kleinen Monsters. Er könnte der Nachwuchs bereits vor einigen Jahren ausgesetzter Elterntiere sein. Auch ist die Rede von Elterntieren, die in anderen Gewässern geangelt und dann im Kofferraum eines Autos den Weg zum Strönfeldsee gefunden haben. Spekuliert wird auch, ob der Strönfeld-Walli ursprünglich in einem Gartenteich oder einem Aquarium lebte und dem Besitzer jetzt aber zu groß oder zu gefräßig geworden ist. Da er ihn aber nicht in der Toilette entsorgen wollte, wie es anscheinend viele Aquarianer mit nicht mehr geliebten Fischen tun, wurde Walli im Strönfeldsee ausgesetzt. Vergleichendes wurde auch schon von Schildkröten berichtet. Viele Spekulationen und Theorien gibt es also, und das ist wahrscheinlich auch nur eine Auswahl dessen, was uns Anglern noch so einfallen könnte.

Was aber an dieser Stelle noch dringend erwähnt werden sollte, ist, dass es im Strönfeldsee schon Sichtkontakt mit den wahren Monstern gegeben haben soll. Zumindest mit Hilfe eines Echolotes haben Angler einige Tiere um die zwei Meter Marke gesehen. Auch am Ufer soll es regelmäßig Sichtkontakt geben. Es wird berichtet, dass man beim Uferspaziergang immer ein paar Welse sehen kann, wenn man aufmerksam hinschaut. Dies sollte dann schon einmal eine Warnung für alle Hundebesitzer sein, die regelmäßig den See aufsuchen.

Ein Monster oder gleich mehrere im Strönfeldsee wären sicher die effektivste Möglichkeit, das Baden am See zu reduzieren, nicht nur das von Hunden. Daher käme den Fischereivereinen ein solches Flussmonster wohl gelegen. Im Fall von Sammy (einem 80 cm langen Brillenkaiman) hat es bereits vor 15 Jahren schon einmal Wirkung gezeigt. Kaum einer traute sich, in den Baggersee bei Dormagen zu springen, in dem das „Riesenkrokodil“ gesehen wurde.

Und nun? Der Fotobeweis, dass zumindest ein Wels im Strönfeldsee lebt, ist erbracht. Drumherum gibt es viele Spekulationen, Halbwahrheiten und Vermutungen, eigentlich alles dass, was eine gute und spannende Geschichte ausmacht. Warum der Strönfeld-Walli aber nur im Kreise der Angler noch heiß diskutiert wird, dass liegt wohl an seiner Größe. Walli ist zu klein, um Hunde zu fressen, Menschen zu bedrohen und daher auch zu klein, um das Sommerloch 2012 der Lokalzeitungen zu füllen. Für uns Angler reicht das aber…

Zum Schluss sei aber noch angemerkt, dass zum Schutz der seit Jahrzehnten aufgebauten Fischpopulation im Strönfeldsee gefangene Welse dem Gewässer entnommen werden sollten. Der Strönfeldsee jedenfalls ist nicht die richtige Heimat für Wallis.
Welcher Angler aber nicht genug von Welsen bekommen kann, der sollte nicht im Strönfeldee auf den großen Tag hoffen, sondern seine Flussmonster lieber im Privatfernsehn anschauen oder eine Angelreise zu einem der bekanntesten Welsgewässer in Spanien antreten. (©BH)

Diskutieren Sie zum aktuellen Thema mit auf unserer Facebookseite