Starker Phytophthora-Befall bei Alnus glutinosa (Foto: B. Heitmann)Das Erlensterben, verursacht durch die sogenannte Erlen-Phytophthora, breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Mittlerweile liegen Befallsmeldungen aus fast allen Bundesländern vor. Seit dem Jahr 2000 ist auch das Westliche Münsterland in NRW von der Phytophthora-Pilzkrankheit betroffen. An der Dinkel im Norden des Kreises Borken sterben in größerer Anzahl jüngere und ältere Erlen an der Wurzelhalsfäule. Vor allem Betroffen ist hier Alnus glutinosa, die Schwarzerle. In lokalen Biotopen sind bis über 50 % der Bäume befallen.

1992 wurde diese Phytophthora-Krankheit erstmals in den Niederlanden und 1993 in England beobachtet. Zahlreiche Erlenbestände entlang von Flussläufen wurden befallen und vernichtet. 1995 konnte man erstmals die Wurzelhalsfäule der Erlen auch in Bayern nachweisen. Der Pilz der Gattung Phytophthora breitet sich besorgniserregend schnell aus und vernichtet wertvolle Erlenbestände. Neben der Schwarzerle wird auch die Grau-, Rot- und Herzblättrige Erle von der Wurzelhalsfäule befallen. Die Grünerle scheint nicht Anfällig gegenüber dieser Pilzkrankheit zu sein.

Zu Beginn der Erkrankung sind kleine, spärliche und oft vergilbte Blätter zu beobachten, die frühzeitig vom Baum fallen. Stark befallene Bäume zeigen im Sommer nur noch vereinzelte Blätter an den Triebspitzen. Zudem ist eine starke Blüten- und Zapfenbildung bei Jungbäumen zu beobachten. Auffällig sind die orange- bis schwarzen Schleimflussflecken (Teerflecken) am Stamm.

Teerflecken am Stamm von Alnus glutinosa (Foto: B. Heitmann)Teerflecken am Stamm von Alnus glutinosa (Foto: B. Heitmann)Die Infektion mit Phytophthora beginnt am Wurzelhals und breitet sich dann zungenförmig im Stamm aus. Infiziertes Gewebe verfärbt sich braun und stirbt ab, dabei werden die Leitungsbahnen für die Wasser- und Energie-versorgung zerstört, was ein Absterben des ganzen Baumes zur Folge hat. Selbst ältere Bäume sterben bei Befall mit der Erlen-Phytophthora. Teilweise sind auch Längsrisse an Ästen und Stamm zu beobachten. Häufig ist auch eine verstärkte Wurzelspitzen-bildung im Bereich des Wurzelhalses zu beobachten.

Überwiegend ist die Wurzelhalsfäule in Flussniederungen zu beobachten. Dies lässt sich durch die Verbreitung der Pilzsporen erklären. Der Pilz bildet begeißelte Sporen zur Vermehrung aus, die mit Hilfe des Flusswassers z.B. bei Überschwemmungen oder des Bodenwassers weite Distanzen überwinden können. Gelangen diese Sporen an den geeigneten Wirt, können sie über Luftwurzeln oder Lentizellen in das Gewebe der Erlen eindringen, sich weiter verbreiten und schließlich die Erle zum Absterben bringen.

Ausbreitung des Pilzes im Stamm  (Foto: B. Heitmann)Rissbildung am Stamm (Foto: B. Heitmann)Eine Bekämpfung dieser Krankheit gestaltet sich schwierig. Pilzspritzmittel (Fungizide) können aufgrund der besonderen Lebensweise dieses Pilzes nicht eingesetzt werden. Ein „Auf-den Stock-Setzen“ kann vitale Stockausschläge hervorbringen, jedoch nur im Anfangsstadium der Krankheit. Späterer Rückschnitt bleibt oftmals erfolglos. Erlen-Pflanzmaterial sollte daher nur aus überprüften Baumschulquartieren verwendet werden. Jungpflanzen zeigen in der Regel noch keine Symptome.


Die Vernichtung der Erlenbestände (vor allem Alnus glutinosa) ist deshalb so besorgniserregend, da die Erle das meistverwendete Gehölz zur Uferbefestigung und Gewässerrenaturierung ist. Sie ist speziell an diesen feuchten Lebensraum angepasst und hat ein optimales Wurzelsystem, um Uferböschungen während Hochwasser vor Erosion zu schützen. Selbst längere Staunässeperioden übersteht die Erle problemlos. Andere Gehölze wie Esche, Moorbirke und verschiedene Weidenarten, die ebenfalls auf feuchten Standorten wachsen, können die Erle mit ihren speziellen Eigenschaften aber keinesfalls ersetzen.

(Foto: B. Heitmann)Neuaustrieb (Foto: B. Heitmann)In wissenschaftlichen Projekten werden zurzeit Möglichkeiten zur Eindämmung der Pilzkrankheit Phytophthora gesucht. Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass der Pilz nur in Böden mit einem pH-Wert von über 4,5 nachgewiesen wurde. Erlen auf Standorten mit schwach sauren Eigenschaften könnten weniger Gefährdet sein. Wirksame Methoden zur Bekämpfung der Erlen-Phythphtora dürften allerdings auf Grund der besonderen Lebensweise ausbleiben. Es bleibt zu hoffen, dass die Krankheit einzelne Bäume verschont und resistente Bäume für die Vermehrung zur Verfügung stehen.

© Dipl.-Ing. B.Heitmann


Quellen:
Zusammenfassung als Info-Faltblatt. pdf "Erlensterben an Fließgewässern. Empfehlungen für die Gewässerunterhaltung" .

Werres, S., Dussart, G., Eschenbach, C. (2001): Erlensterben durch Phytophthora und die möglichen ökologischen Folgen (Alder decline caused by Phytophthora and ist possible ecological consequences). Natur und Landschaft 76(7), 305-310.

Werres,S. (2001): Untersuchungen zum Erlensterben durch Phytophthora. Julius Kühn-Institut (JKI) Stand Nov. 2004