Der Angelverein Nienborg Dinkel will seit einigen Jahren die Durchgängigkeit der Dinkel von der Quelle bis zur Mündung und die Wiederherstellung der Natürlichkeit des Flusses erreichen. Damit unterstützt der Verein das NRW-Umweltministerium, das sich für die Renaturierung von Flüssen einsetzt. Gewässerwart Stefan Linnemann geht diese Herausforderung seit fünf Jahren mit viel Engagement an.

thumb linnemanDie Grundlage für seine komplexe Arbeit erlernte er auf zwei Wochenlehrgängen beim Landesamt für Natur, Umweltschutz und Verbraucherschutz NRW. „Bei meiner Arbeit kommt in der Regel keine Angelromantik auf“, sagt Linnemann. Die regelmäßige Kontrolle der Pachtgewässer Dinkel und Strönfeldsee gehört zu seinen Kernaufgaben. Die Pachtstrecke zwischen den Ortsgrenzen Heek und Epe beträgt im Einzugsgebiet „Mittlere Dinkel“ etwa acht Kilometer.

Im Kindesalter hat er mit dem Angeln begonnen. Linnemann eiferte seinem Vater Josef nach, der viele Jahre erster Vorsitzender des Angelvereins war. Stichprobenartig misst er mit Notfallmessgeräten den Sauerstoff- und Salzgehalt, den PH-Wert und die Temperatur. Die Werte sind Grundlage für Maßnahmen wie die Sauerstoffzufuhr bei steigenden Temperaturen oder für Gespräche mit Eigentümer angrenzender Grundstücke, beispielsweise zum Anpflanzen von Bäumen.

„Ich sehe mich eher als Helfer im Hintergrund und als Planer für die Zukunft“, sagt Linnemann. Ein besonderes Augenmerk legt er auf einen gesunden Fischbestand. Nach dem Vorfall im Winter vor drei Jahren, als sehr viele Fische oberhalb der Mühle starben, hat er mit einem Fischhändler aus dem Emsland einen „Drei-Jahresplan“ für den Wiederbesatz in der Dinkel aufgestellt.

Am Strönfeldsee kümmert er sich zudem um Laichhilfen. „Da die Dinkel oberhalb kaum Schatten hat, ist das Gewässer in dem Bereich sehr warm“, erklärt Linnemann. Die Seerosen werden daher nicht mehr beschnitten. Die Wasserpflanzen bieten Schatten und sorgen für angenehme Wassertemperaturen. Probleme bereitet in diesem Bereich die Versandung des Flusses.

Bei seiner Arbeit muss der Gewässerwart oftmals auf das Internet zugreifen. Auf seinem Notebook verfolgt er auf der Webseite des Kreises Borken den Stand des Umsetzungsfahrplans der Dinkel. Er wünscht sich, dass der Fluss unterhalb der Ringburganlage seine Natürlichkeit von vor 200 Jahren zurückerhält. Die Natur hatte durch erhebliche Veränderungen, wie die Begradigung in den 80er-Jahren, oft das Nachsehen.

Fische können heute oft nicht mehr über längere Strecken wandern, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Daher ist der regelmäßige Wiederbesatz erforderlich. Linnemann hofft, dass der Umsetzungsfahrplan des Kreises Borken, der die Errichtung einer Umgehungsrinne/eines Fischpasses vorsieht, im Zeitraum 2019 bis 2027 umgesetzt wird. Die Fische bekämen die Möglichkeit, über längere Strecken zu den Laichplätzen zu wandern.

Ursprünglich sollte die Begradigung des Flusses eine Maßnahme gegen Hochwasser sein. Dieser Plan ist nicht aufgegangen. Starke Regenfälle sorgen noch heute dafür, dass Keller von Häusern in Dinkelnähe volllaufen. Lange Trockenperioden haben zur Folge, dass die zuvor nassen Mauern sehr trocken werden und reißen. Gerne schaut sich Stefan Linnemann den Flussverlauf in Wichum, im Bereich des Naturlehrpfades, an. Hier ist die Dinkel weitgehend naturbelassen. Der Fluss fließt durch Feuchtwiesengebiete und zeigt ein natürliches Strömungsverhalten. Durch das von der Jugendgruppe eingebrachte Totholz wird die Gewässerstruktur verbessert. Hier finden unzählige Lebewesen ihre natürliche Nahrungs- und Lebensgrundlage.

Geht es nach Linnemann, sieht es an der Dinkel rund um Nienborg in vielen Jahren überall so aus. „Wir machen es nicht für uns, sondern für unserer Kinder“, ist der Gewässerwart bescheiden, aber hoffnungsvoll, dass die Wünsche des Vereins verwirklicht werden.

 

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